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Das richtige Grundstück finden

Das richtige Grundstück finden

Das richtige Grundstück finden bedeutet, optimale Möglichkeiten für Ihr späteres Leben zu schaffen.

Wenn Sie ein Grundstück suchen, haben Sie bereits einige Entscheidungen getroffen, die hier nicht mehr angesprochen werden. Sie haben sich dazu entschieden, dass ein Einfamilienhaus die beste Wohnform für Sie ist, und Sie haben wahrscheinlich auch die Region der Suche bereits eingegrenzt. Nun aber das richtige Grundstück zu finden, ist keine einfache Aufgabe. Die Empfehlungen der Experten sind meist sehr vage und sagen wenig zur späteren Wohnqualität. Immobilienmakler geben auf die Frage, welches Grundstück am besten ist, meist die Antwort „Lage, Lage, Lage“. Nachdem es beim Kauf und Verkauf von Grundstücken um finanzielle Werte geht, meint „Lage“ also den Standort, der am meisten nachgefragt ist, also vom Markt am höchsten bewertet wird. Gerade von dieser einseitigen Sichtweise, sollten Sie sich lösen, wenn Sie ein Grundstück finden wollen, das für Sie und Ihre Familie die höchsten Qualitäten besitzt.

Stellen Sie sich diese Fragen

Sie werden in diesem Artikel also Qualitätskriterien finden, die wesentlich differenzierter sind und Ihnen ermöglichen, das Grundstück auszuwählen, das zu Ihren Bedürfnissen am besten passt. Ihr individueller Wert eines Grundstückes ergibt sich aus der Beantwortung dieser Fragen:

  • Wird dieser Standort meine berufliche Entwicklung fördern oder hemmen?
  • Werde ich hier Freunde finden?
  • Können sich unsere Kinder hier gut entwickeln?
  • Kann und will ich hier alt werden?
  • Kann man sich hier sicher fühlen?
  • Wie kann das Grundstück bebaut werden, und was bedeutet dies für die Planung?

Wird dieser Standort meine berufliche Entwicklung fördern oder hemmen?

Wenn man beruflich an größere Städte gebunden ist, macht es wenig Sinn, allzu lange Anfahrtswege in Kauf zu nehmen. Das, was in der ersten Euphorie als bewältigbar erscheint, kann über längere Zeit sehr belastend werden. Auch finanziell können Sie eine nüchterne Rechnung anstellen, indem Sie die realen Anfahrtskosten kalkulieren und dann mit dem Grundstückspreis gegenrechnen. Hier ist die Gefahr sich zu belügen sehr hoch, wenn man etwa nur die Spritkosten einrechnet. Realistisch wird es etwa, wenn man zumindest die Hälfte des amtlichen Kilometergeldes kalkuliert. So kommen für das berufliche Pendeln hohe Summen zustande. Bei einer Wegstrecke von 25 km sind es dann ca. € 3000,– jährlich.

Stellen Sie sich darüber hinaus noch die Frage nach einer Veränderungsmöglichkeit bzw. nach beruflichen Alternativen an Ihrem neuen Wohnort. Sind diese sehr eingeschränkt, wirkt sich dies nicht nur finanziell aus, sondern kann es auch Ihre berufliche Entwicklung stark einschränken.

Das richtige Grundstück wird Ihre berufliche Entwicklung fördern.

Werde ich hier Freunde finden?

Der individuelle Wert von Grundstücken ergibt sich aus der Wohn- und Lebensqualität, die bei einer Bebauung erreicht werden kann. Diese Wohn- und Lebensqualität hängt sehr stark mit dem sozialen Umfeld in unmittelbarer Nähe zusammen. Nachbarn, mit denen man befreundet ist, werden zu einer enormen Entlastung, gerade dann, wenn Sie sich in einer schwierigen Lebensphase befinden, wie etwa junge Familien mit kleinen Kindern. Kleine Entlastungen, wie die kurzfristige Kinderaufsicht, wenn man mal etwas unternehmen will, machen einen bedeutenden Unterschied. Wenn Sie ein Grundstück in die nähere Auswahl ziehen, sollten Sie sich fragen, ob hier Menschen leben, mit denen Sie sich anfreunden können. Es ist durchaus legitim, vor dem Grundstückskauf bei einigen Nachbarn anzuläuten und ein beiläufiges Gespräch zu führen. Sie erfahren vielleicht auch einiges darüber, wie es sich in dieser Siedlung und in dieser Gemeinde so lebt. Sie werden wahrscheinlich nicht fragen können, ob die zukünftigen Nachbarn zur Kinderaufsicht bereit sind, aber Sie werden trotzdem ein Gefühl für die Menschen in Ihrer zukünftigen Nachbarschaft bekommen.

Egal in welcher Lebenssituation Sie sich befinden, es ist wichtig, Freunde in unmittelbarer Nähe zu haben. Studien belegen, dass die Wohnzufriedenheit deutlich steigt, wenn man in einer guten Nachbarschaft lebt.

Das richtige Grundstück wird es Ihnen erleichtern, Freunde zu finden.

Können sich unsere Kinder hier gut entwickeln?

Viele junge Familien ziehen aufs Land, weil sie denken, dass die Natur am Land automatisch besser ist als eine Stadtwohnung. Das stimmt auch, Kinder brauchen Natur um sich gut und gesund zu entwickeln. Es ist aber nicht automatisch so, dass eine Siedlung am Land für Kinder gleichzeitig den Aufenthalt in der Natur fördert. Wichtig für Kinder ist, dass sie das Umfeld entdecken können und Spielmöglichkeiten in unterschiedlicher Form bestehen. Entscheidend ist jedoch, ob diese Spielorte in der Umgebung für Kinder alleine sicher aufzusuchen sind, und ob es hier auch genügend andere Kinder gibt, mit denen Ihre Kinder spielen können. Die autozentrierte Raumplanung vieler Gemeinden verhindert oft kindergerechtes Umfeld.

Kriterien für kindergerechte Grundstücke

Hier einige Gedanken, die helfen kindergerechte Grundstücke zu finden:

  • Ist die Siedlungsstraße verkehrsberuhigt mit max. Tempo 30?   – Am besten eignen sich Sackgassen
  • Gibt es im Umfeld ausreichend Spielmöglichkeiten (verschiedene Formen von Spielplätzen, aber auch Brachflächen und Bolzplätze, die bespielt werden können)
  • Sind diese Spielflächen mit einem sicheren Rad- und Wegenetz verbunden?  –  Gerade die Wege sind entscheidend, ob sich die Kinder in einer Siedlung entfalten können
  • Ist der Schulweg sicher zu Fuß zu bewältigen?
  • vorteilhaft ist es, wenn die Straße weniger als 6m breit ist, weil dann automatisch langsamer gefahren wird

Der grüne Garten und die Schaukel sind für kleinere Kinder sicherlich wichtige Spielgelegenheiten, ab dem Schulalter wird dies sehr schnell den Reiz verlieren. Treffpunkte mit anderen Kindern sind dann gefragt.

Das richtige Grundstück wird die Entwicklung Ihrer Kinder unterstützen.

Kann, und will ich hier alt werden?

Wir alle wünschen uns, gesund und aktiv älter zu werden. Dies hat viel mit dem Wohnumfeld zu tun, und dies aus mehreren Gründen. Zum einen kann es wieder die Nachbarschaft sein, die zu Aktivitäten anregt, zum anderen ist es die Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Sparzierwegen, Radwegen, kulturellen Veranstaltungen usw. Gerade beim Sparzierengehen ist eine Kombination von aktiv sein und Erholung, die gesundmachende Komponente. Sparzierengehen in der Natur senkt die Stressparameter, wie Blutdruck oder Cortisolspiegel, wogegen ein Sparziergang in der Stadt das Gegenteil bewirkt. Natur ist jedoch auch nicht überall gleicht. Es gibt bestimmte Merkmale, die in uns ein Gefühl der Sicherheit und des Wohlbefindens erzeugen. Dazu gehören Gewässer, Lichtungen statt ein wildes Dickicht, eine sanfte Wiese und kein wildes Gestrüpp und vor allem Bäume. Aber auch hier gibt es Unterschiede. Bäume mit weit ausladender Krone wirken erholsamer als schmale hohe Bäume.

Mein spezieller Tipp: Bevor Sie ein Grundstück kaufen, gehen Sie auf die Suche nach erholsamen Plätzen, Lieblingsplätzen, oder wie Sie es auch immer nennen wollen. Diese Plätze für Erholung können den Unterschied ausmachen, ob Sie auch in einigen Jahren noch ausreichend auftanken können.

Das richtige Grundstück bietet einen guten Lebensraum im Alter.

Kann man sich hier sicher fühlen?

Unübersichtliche Siedlungen, wo man ev. auch noch Spuren von Verwahrlosung findet, werden von Einbrechern häufiger aufgesucht, als freundliche und gepflegte Siedlungen. Achten Sie auf diese Aspekte. Auch wenn Sie kein Opfer eines Einbruches werden, wird sich Ihr persönliches Sicherheitsempfinden deutlich auf Ihre Lebensqualität auswirken. Damit man sich in einer Siedlung sicher fühlt, sollte Folgendes gegeben sein:

  • Es gibt keine sogenannten Angstorte, das sind Ort, die wenig einsehbar sind, und wo es kaum Fluchtmöglichkeiten gibt
  • Die Anwohner sollten sich zuständig fühlen und dies sollte man auch in der Gestaltung erkennen
  • Es herrscht ein guter Überblick und auch die Gärten sind nicht abgeschottet

Das richtige Grundstück gibt Ihnen Sicherheit.

Wie kann das Grundstück bebaut werden, und was bedeutet dies für die Planung?

Obwohl ein Grundstück hinsichtlich Bebaubarkeit sehr individuell zu beurteilen ist, gibt es einige Kriterien, die zu mehr oder weniger Wohnqualität führen. Dieses komplexe Thema werden wir im zweiten Teil dieses Blogartikels behandeln.

Das richtige Grundstück finden – Werte sind individuell

Grundstücke erzielen am Markt einen bestimmten Wert, der von einigen Merkmalen abhängt. Die hier angeführten Kriterien haben weniger mit dem Marktwert zu tun, sondern mit dem individuellen Wert, den ein Grundstück für Sie hat. Also die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben und die damit verbundene Lebensqualität. Optimal für Ihre Brieftasche ist es, wenn Sie ein am Markt nieder bewertetes Grundstück finden, das gleichzeitig für Sie einen hohen Wert hat, also Ihre Lebensqualität verbessert. Dies sind die Grundstücke, wo sich ein Kauf lohnt.

der neue Megatrend des Wohnens – Authentisch sein

der neue Megatrend des Wohnens – Authentisch sein

Authentisch Wohnen ist der neue Megatrend, weil es uns Menschen entspricht die eigenen Bedürfnisse und nicht Modetrends im Auge zu haben.

Im Zusammenhang mit dem Wohnen tauchen immer wieder die verschiedensten Trends auf. So gibt es den Trend zur Individualisierung, zur Verstädterung, zur Gesundheitsorientierung, zum modularen Wohnen oder vieles andere mehr. Die Vielzahl dieser Trends ist fast unüberschaubar. Was bringt es dem Einzelnen über Trends Bescheid zu wissen? Verbessere ich meine Wohnqualität, wenn ich einem Trend folge?

Wohl kaum, denn ein Trend zeigt an, wohin die Mehrzahl der Menschen „tendiert“, aber das kann für Dich vollkommen falsch sein. Wozu dienen diese Trends also? Ganz einfach, ein Trend ist ein Marketinginstrument, das sowohl der Wirtschaft, als auch der Politik dient. Die Wirtschaft kann daraus ablesen, welche Produkte (Wohnungen, Häuser) in Zukunft nachgefragt sein werden. Die Politik kann sich in ihren Inhalten am Trend ausrichten, oder aber gegensteuern, je nach politischer Orientierung.

Auch das ist für Dich und Dein „Wohnglück“ wenig bis gar nicht relevant.

Das Bedürfnis nach kultureller Zugehörigkeit

Aber lass mich dies kurz relativieren. Der Trend ist für Dich sehr wohl relevant, wenn Du ein „trendiges“ Haus, oder eine „trendige“ Wohnung willst. Genau hier setzen ja auch die meisten Wohnzeitschriften an. Sie zeigen uns, was „in“ ist. Wir können diesen Trends folgen und sind dann auch „in“, so meinen wir zumindest. Wahrscheinlich kannst Du bereits zwischen den Zeilen lesen, wo meine Sichtweise hin geht. Es gibt jedoch auch ein Wohnbedürfnis, das vom Trend abgedeckt wird –  nämlich das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Wir wollen uns einer Gruppe (Kultur, Weltanschauung usw.) zugehörig fühlen, und der Trend gibt uns die Möglichkeit dazu. Dies hat eine große Bedeutung, die ich auch nicht schmälern möchte. Die Bedeutung von Trends im Allgemeinen, will ich hier jedoch sehr wohl relativieren. Folge ich unreflektiert einem Trend, so verzichte ich auf die eigene Sichtweise, und dies erschwert mir den Blick auf die eigenen Bedürfnisse. Häufig stelle ich bei meinen Kunden auch fest, dass die Orientierung an Modetrends das Gefühl für die eigenen Bedürfnisse vollkommen verstellt. Dies zu erkennen, ermöglicht  die Frage nach dem authentischen Wohnen.

Authentisch Wohnen – was brauchen ich wirklich?

Doch lassen wir diese einleitenden Gedanken beiseite und wenden uns dem heutigen Thema zu. Wohnen ist die räumliche Verankerung unserer Bedürfnisse. Haben wir eine Familie mit Kindern, so brauchen wir eine Familienwohnung, wir brauchen familiengerechte Grundrisse und ein familiengerechtes Umfeld. So verhält es sich mit allen Bedürfnissen, auch die etwas individuelleren, wie das Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit. Damit sind wir schon beim Kernthema meines Artikels, nämlich Fragen wie etwa:

  • „Wie kann ich authentisch Wohnen?“
  • „Wie kann ich so wohnen, dass möglichst alle meiner Wohnbedürfnisse abgedeckt werden?“

Genau hier beginnt die Frage nach den eigenen Bedürfnissen, und damit endet die Frage nach Trends oder Modeerscheinungen.

 © KB3 fotoliamoderne Architektur  © Herbert Reichl

 Das Vortäuschen von Stimmungen

Trends können nicht nur vom Wesentlichen ablenken, sie können sogar ganz entschieden in die Irre leiten. Dies möchte ich gerne anhand des linken Fotos erklären. Du siehst hier ein modernes Haus, das durchaus Behaglichkeit und Geborgenheit ausstrahlt. Ich möchte Dich jedoch bitten, die Perspektive zu wechseln. Setze Dich bitte in Gedanken in den Stuhl, den man im Erdgeschoss ganz rechts erkennen kann. Blicke dann um Dich, was nimmst Du wahr? Du siehst eine eher spartanisch eingerichtete Halle, die rundherum mit Glas umgeben ist. Diese Glasfläche erscheint von innen aus schwarz, weil Du ja ins Dunkle hinaus siehst. Du bist also an drei Seiten mit einer schwarzen Fläche umgeben und weißt nicht, was draußen passiert. Dies ist für einen Menschen, der sich entspannen will, der absolute Supergau des Wohnens. Von außen sieht dieses Haus behaglich aus. Wenn wir solche Fotos sehen, sollte uns bewusst sein, dass sowohl der Standort des Fotografen als auch die Tageszeit bewusst gewählt sind, weil man Behaglichkeit vermitteln will. Dies erreicht man durch die Holzfassade im Vordergrund und noch mehr durch das warme Licht im Rauminneren. Diese Wärme kann man nur dann einfangen, wenn man das Foto am Abend macht. Wenn der Himmel noch erkennbar ist, vielleicht sogar mit einem Stich an Abendröte, dann erzeugt dieses Haus das Gefühl der Geborgenheit, die Du jedoch nicht erleben wirst, wenn Du dich im Hausinneren befindest.

Das Missachten von Bedürfnissen

Dieses Haus entspricht sicherlich dem Trend nach Transparenz, Offenheit und kann vielleicht auch als gelungene Architektur bezeichnet werden. Es kann sein, dass Dir dieses Haus gefällt, und dass Du dieses Haus vielleicht auch kaufen würdest. Ich möchte auch durchaus offenlassen, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die sich darin wohl fühlen würden. Was ich jedoch ganz klar vermitteln möchte: Durch trendige Gestaltung und durch moderne Architektur werden wir auch verleitet, einige unserer wesentlichen Bedürfnisse in den Hintergrund zu stellen. Nämlich das Bedürfnis nach Schutz, Geborgenheit und Behaglichkeit. Auch das Bedürfnis nach einem konfliktfreien Zusammenleben wird hier untergraben.

Als Gegenpol zum linken Haus, möchte ich Dir ein Haus (rechtes Foto) zeigen, das wahrscheinlich sehr viel Geborgenheit im Innenbereich zu bieten hat. Auch hier gibt es eine großzügige Verglasung, jedoch mit Sprossen, das den Eindruck der Grenze vermittelt. Zudem wurde hier die Natur sehr stark eingebunden, was in uns das Gefühl der Geborgenheit erzeugt. Die Hecke im Vordergrund bietet Blickschutz. Dieses Haus ist vielleicht in den 90er Jahren entstanden, ist jedoch hinsichtlich Geborgenheit moderner als das linke Beispiel.

Der neue Megatrend

Daher möchte ich einen neuen Megatrend des Wohnens formulieren:

Wohnqualität entsteht durch authentisches Wohnen

Authentisches Wohnen bedeutet, das persönliche Wohnumfeld den persönlichen Bedürfnissen anzupassen. Oder anders ausgedrückt – authentisches Wohnen bedeutet, den persönlichen Bedürfnissen Raum zu geben. Der Philosoph Martin Heidegger hat einen sehr tiefgründigen Satz formuliert – „Wohnen ist die Art und Weise des Auf der Welt Seins“. Mit „Auf der Welt Sein“ meint Heidegger die individuelle Art jedes einzelnen Menschen, und er meint damit auch, dass sich im Wohnen diese Individualität des Menschen ausdrückt. Wir müssen also erkennen, unser neuer Megatrend ist nicht ganz so neu, er ist eigentlich uralt, aber sehr häufig vergessen worden. Daher macht es durchaus Sinn ihn neu zu formulieren.

Authentisch Wohnen für hochsensible Menschen

Die hier beschriebenen Zusammenhänge gelten besonders für alle hochsensiblen Menschen. Dies aus folgenden Gründen:

Hochsensible haben meist ein stärkeres Rückzugsbedürfnis und auch ein stärkeres Bedürfnis nach Geborgenheit. Beides wird in der modernen Architektur eher verhindert als gefördert. Genauso verhält es sich mit Konflikten des Zusammenlebens. Eine zu offene Grundrissgestaltung führt häufiger zu Konflikten als eine differenzierte Raumanordnung. Die Gestaltung von Zonen und Rückzugsmöglichkeiten ist sehr förderlich für das Zusammenleben als Paar und noch viel mehr für Familien. Das Hauptproblem bei Hochsensibilität ist die sehr schnell eintretende Reizüberflutung. Dieser kann man entgegenwirken, wenn Wohnstresse beseitigt wird. Im Blogartikel „4 Strategien gegen den Wohnstress“ findest Du Anregungen dazu, was Wohnstress bedeuten kann und wie er beseitigt werden kann.

Die aktuellen Modetrends des Wohnens und vor allem des Bauens, gehen sehr deutlich an den Bedürfnissen vieler hochsensibler Menschen vorbei. Daher verknüpfe ich das Thema des authentischen Wohnens immer wieder mit dem Thema der Hochsensibilität. Authentisch Wohnen betrifft natürlich auch nicht hochsensible Menschen.

Der Weg zum authentischen Wohnen

Der erste Schritt zum authentischen Wohnen ist, die eigenen Bedürfnisse des Wohnens zu formulieren und möglichst nichts dabei zu übersehen. Aus diesen Bedürfnissen kann man Ziele formulieren für die Gestaltung der Wohnung oder für die Planung. Erst wenn diese Ziele klar sind, macht es Sinn zur Umsetzung zu schreiten. Bedürfnisanalyse, Ziele formulieren und dann erst die Umsetzung, sind ganz knapp zusammengefasst der Weg zum authentischen Wohnen. Dazu gibt es viele Facetten, die ich in meinen Blogartikeln aufgreife.

Außerdem kannst Du ein kostenfreies pdf – „Erholsam Wohnen – 8 Wohntipps für Hochsensible“ downloaden. Hier findest Du einige Übungen zu den Wohnbedürfnissen, verknüpft mit 8 Wohntipps, die speziell für hochsensible Menschen gedacht sind.

Planungsfehler vermeiden

Planungsfehler vermeiden

Hier kommt der Inhalt hin

5 Tipps zur wohnpsychologischen Optimierung Ihrer Hausplanung

Die größten Fehler bei der Hausplanung sind nicht technischer, sonder psychologischer Natur. Dabei geht es um das Wohnen, um Wohnqualität und um Wohnbedürfnisse. Für technische Fehler gibt es Haftungen, nicht aber für Mängel in der wohnpsychologischen Qualität. Wenn Sie später einen Raum kaum nutzen, weil Sie sich hier nicht wohl fühlen, oder wenn die Raumaufteilung häufig Konflikte im Familienleben provoziert, dann haben Sie einen enormen Schaden. Sie stellen fest, in Ihrem Traumhaus ist Einiges nicht so, wie Sie es sich gewünscht haben. Oft werden Sie dies erst merken, wenn Sie eingezogen sind. Manchmal werden diese Fehler erst nach mehreren Jahren offensichtlich. Diese Fehler kommen häufig vor:

  1. Wesentliche Bedürfnisse, z.B. nach Rückzug, sind nicht umgesetzt
  2. Der Gemeinschaftsbereich ist nicht so gestaltet, wie es Familien brauchen
  3. Durch Modetrends entstehen Einseitigkeiten (z.B. zu viel Glas und zu wenig Blickschutz)
  4. Das Haus passt für die aktuelle Wohnsituation, ist aber an die Bedürfnisse späterer Lebensphasen schlecht oder gar nicht anpassbar
  5. Die Bedürfnisse von Kindern werden falsch umgesetzt

Die Ursache – ein Fehler im System

Diese Fehler sind leider in der Baubranche kaum bewusst, wirken sich jedoch gravierend auf Ihre Lebensqualität aus. Um diese Fehler zu vermeiden, gibt es auch keine Standartlösungen. Hier geht es um grundsätzliche Herangehensweisen an das Thema Planung. Planer arbeiten in einem wirtschaftlichen System. Hier steht möglichst hohe zeitliche Effizienz im Vordergrund. Wenn also Bedürfnisse noch nicht klar ausformuliert sind, gibt meist nicht die Zeit, dies nachzuholen. Wenn Planer zu arbeiten beginnen, geht er/sie davon aus, dass alle Anforderungen klar sind. Dies entspricht nicht der Realität. Zudem fehlt den Planern das psychologische Wissen. Hier soll es aber nicht um die Bauwirtschaft und die Planer gehen, sondern um Ihre Möglichkeiten, diese Fehler zu vermeiden. Als Baufamilie haben Sie es in der Hand. Daher habe ich hier den Lösungsweg skizziert.

Der Lösungsweg

Wollen Sie nicht in die oben beschriebene Systemfalle treten, so können Sie nach diesen Punkten vorgehen.

  1. Formulieren Sie Ihrer Bedürfnisse und lassen Sie sich genug Zeit dafür
  2. Kommunizieren Sie Ihre Bedürfnisse exakt
  3. Lösen Sie sich von Modetrends
  4. Denken Sie an alle Lebensphasen – Ihre Bedürfnisse werden sich verändern
  5. Insbesondere sollten Wohnbedürfnisse von Kindern in allen Entwicklungsphasen bedacht werden

Durch dieses Vorgehen können Sie Ihre Hausplanung wohnpsychologisch optimieren.

  1. lassen Sie sich genug Zeit für das Formulieren Ihrer Bedürfnisse

Wohnen ist die räumliche Verwirklichung von menschlichen Bedürfnissen. Beim Hausbau geben Sie eine große Summe Geld dafür aus, dies umzusetzen, also die Wohnsituation Ihren Bedürfnissen anzupassen. Daher schlage ich Ihnen vor, sich dafür Zeit zu nehmen und Ihre Bedürfnisse systematisch festzuhalten.

Eine Möglichkeit besteht darin, alles aufzuschreiben, was Ihnen für das neue Haus wichtig ist. Dies sollte jedoch nicht nur eine Momentaufnahme sein, sondern über einen längeren Zeitraum passieren. Dann werden Ihre Aufzeichnungen mit der Zeit immer konkreter. Wenn beide Partner über mehrere Wochen eine solche Liste anfertigen, dann ergeben sich eine Menge an Punkten, die Sie in Ihr Konzept einbinden können.

Dies sollten beide Partner separat, also jeder für sich macht. Dann können Sie diese individuellen Bedürfnisse vergleichen und besprechen. Sie werden sehen, dass Sie beide unterschiedliche Wünsche formuliert haben.

Anschließend können Sie mit einer zweiten Übung beginnen, die wir Collage der inneren Bilder nennen. Der Sinn davon ist es, Ihre Bedürfnisse und Wünsche in Bildern auszudrücken. Oft haben wir zu einem Wunsch eine bildhafte Vorstellung, also ein inneres Bild, das Sie als äußeres Bild finden sollten. Diese Bilder können Sie dann zu einer Collage zusammen fügen. So entsteht ein größeres Bild, das Sie gemeinsam mit Ihrem Partner gestalten.

  1. Kommunizieren Sie Ihre Bedürfnisse exakt

Viele Planungsfehler entstehen durch Kommunikationsprobleme. Dies gilt in der Bauabwicklung genau so, wie in der Planungsphase. Oft werden Ihrer Wünsche vom Planer anders verstanden, als Sie es gemeint haben. Lassen Sie mir dies am Beispiel Behaglichkeit und Geborgenheit erklären. Wenn Sie im Gespräch mit Ihrem Planer erwähnen, dass Ihnen Geborgenheit wichtig ist, so hat er/sie hier zwei Möglichkeiten. Entweder wird dieses Bedürfnis notiert und so zur Kenntnis genommen, oder man fragt nach, was dies bedeutet. Jedoch nur wenn Ihr Planer weiß, was Geborgenheit für Sie bedeutet, kann dies in die Planung einfließen. Im ersteren Fall wird Ihr Planer dies nach eigenen Vorstellungen machen. Und damit kann ein langer Kreislauf von Vorschlägen und Änderungen in Gang kommen. Dies kostet Ihnen nicht nur Nerven, sondern auch einiges an Geld. Wenn Sie dem/der Planer/in genau vermittel, wodurch für Sie Geborgenheit entsteht, kann dies in die Planung einfließen.

Bedürfnisse exakt zu kommunizieren, bedeutet Ihre Bedürfnisse nicht nur auszusprechen, sondern auch zu erklären.

  1. Lösen Sie sich von Modetrends

Im Bauen spiegelt sich der Zeitgeist, oft kann man genau erkennen, aus welchem Zeitraum ein Gebäude stammt. Aus der Sicht der Architektur ist dagegen nichts einzuwenden. Aus Ihrer Sicht kann die Orientierung an Modetrends jedoch zu großen Problemen führen.

Lassen Sie es mich wieder anhand eines Beispiels erklären. Transparenz und Offenheit sind Werte in unserer Gesellschaft, die sich auch im Umgang mit Privatheit niederschlagen. Die Verwendung von Glas in Gebäuden bringt diese Transparenz im räumlichen Sinn. Wird dies über Gebühren betrieben, so leidet die Privatheit. Nur wenn man die Gesamtheit der Wohnbedürfnisse im Auge hat, wird man ausgewogen wohnen können. Daher meine Empfehlung: Relativieren Sie jede Modeströmung mit der Frage – ist dies wirklich für mich passend, oder wird dies für mich zu einseitig? Der Umgang mit großen Glasflächen bringt uns das lebensnotwendige Tageslicht, aber es schränkt auch Privatheit ein oder verhindert manchmal räumliche Geborgenheit.

Dies bedeutet nicht, dass Sie aktuell moderne Gestaltungsaspekte nicht verwenden sollen. Wichtig ist es, sie im Rahmen Ihrer persönlichen Bedürfnisse umzusetzen.

  1. Denken Sie an alle Lebensphasen

Jede Planung ist mit dem Einzug bereits überholt, außer Sie berücksichtigen spätere Lebensphasen mit. Ein Teilaspekt dieses Themas wurde mit der Barrierefreiheit bereits gesetzlich verankert. Doch auch hier sind Teilaspekte zu wenig. Daher finden Sie im Arbeitsblatt „Wohnraum-Lebensraum- Entwicklungsraum“ einen Überblick zu allen Lebensphasen mit den entsprechenden Bedürfnissen und Planungsempfehlungen. Auch im Blogartikel „Wohnqualität in allen Lebensphasen“ habe ich dieses Thema behandelt.

  1. Wohnbedürfnisse von Kindern in allen Entwicklungsphasen

In diesem Punkt wird das Fehlen von wohnpsychologischem Wissen in den planenden Berufen besonders deutlich. Einige planungsrelevante Bedürfnisse von Kindern möchte ich hier kurz vorstellen:

  • Besonders im ersten Lebensjahr sind die Nähe der Eltern und der Schutz vor Überstimulation wichtig. Wird der Gemeinschaftsbereich im EG in zwei Bereiche, oder auch Räume, gegliedert, so entsteht eine ruhige und eine aktive Zone. Dann kann das Kind in der Nähe der Eltern schlafen gelegt und gleichzeitig Hausarbeit erledigt werden.
  • Für Vorschulkinder ist es wichtig, vielfältige Spielmöglichkeiten vorzufinden und doch immer wieder die Nähe zu den Eltern finden zu können. Daher sollte im Gemeinschaftsbereich eine Spielecke eingerichtet werden. Im Kinderzimmer zu spielen wird in diesem Alter kaum funktionieren und stellt für die Kinder einen unnatürlichen Zwang dar.
  • Grundschulkinder brauchen die Möglichkeit in der Anwesenheit der Eltern die Hausübung machen zu können. Der Schreibtisch im Kinderzimmer wird also erst ab ca. 10 Jahren genutzt werden. Vorher sollte der Familientisch dazu dienen. Die Anordnung des Esstisches ist in vielen Planungen dafür nicht gut geeignet.
  • Bis ins Teenageralter wollen die wenigsten Kinder alleine in einem Zimmer schlafen. Daher sollten die Zimmer so angeordnet sein, dass eine Doppelnutzung und eine spätere Trennung möglich sind.
  • Jugendliche brauchen mehr Distanz zu den Eltern. Daher ist das Kinderzimmer, angrenzend an das Elternschlafzimmer hier nicht optimal. Gleichwertige Zimmer bieten die Möglichkeit die Funktion zu verändern. Dann können die Kinder auch innerhalb des Hauses umziehen.

Dieses Thema möchte ich mit einem ganz entscheidenden Punkt abschließen. Kindergerecht ist ein Haus nur dann, wenn es familiengerecht ist. Familiengerecht wird ein Haus nur dann, wenn auch die Bedürfnisse der Eltern berücksichtigt werden. Möglicherweise wollen Sie als Elternteil auch einen Raum zum Rückzug, der nicht von den Kindern vereinnahmt wurde. Eine offene Bauweise hat sich daher für Familien nicht bewährt.

Wohnpsychologische Optimierung

Vielleicht geht es Ihnen auch so: Sie wollen ein Haus bauen, aber wenn der Plan fertig ist und damit auch festgelegt ist, wie das Haus aussehen wird, entsteht die quälende Frage: „haben wir auch wirklich den richtigen Plan?“ Diese Frage ist gut nachvollziehbar. Mit dem Haus, das Sie bauen wollen, wird Ihr nächstes Umfeld für die kommenden Jahrzehnte geschaffen. Hier will man natürlich keine Fehler machen. Wohnpsychologische Optimierung in der Planungsphase hilft hier noch letzte Verbesserungen im Sinne Ihrer Wohnqualität vorzunehmen.

Diese wohnpsychologische Optimierung ist in allen Planungsphasen und auch für fertige Planungen möglich. Es gibt die Möglichkeit, dies in knapper und damit auch günstiger Form zu machen. Unser Angebot der wohnpsychologischen Optimierung basiert auf einem exaktem Schema, das Bedürfnisanalyse, Kommunikation und wohnpsychologische Qualitätskriterien in einem Paket zusammen fasst. Diese ausgereifte Methodik ermöglicht es Ihnen, Fehler bei der Hausplanung frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen. Egal, ob Sie vor der Planung stehen, mittendrin sind, oder ob Sie bereits einen fertigen Plan haben, wird Ihnen diese Methode entscheidende Verbesserungsmöglichkeiten zeigen.

Wohnqualität in allen Lebensphasen

Wohnqualität in allen Lebensphasen

Wohnqualität in allen Lebensphasen ist nur möglich, wenn das Haus sich den verändernden Bedürfnissen anpassen kann.

Beim Bauen stehen wir vor der großen Herausforderung, eigentlich nicht für die Gegenwart, sondern für die Zukunft zu planen. Planen bedeutet ja die Vorwegnahme von Handlungsschritten zur Erreichung eines Zieles. Wenn unser Ziel ist, hohe Wohn- und Lebensqualität zu erreichen, dann macht es Sinn, über spätere Lebensphasen nachzudenken. Auch wenn wir als junge Familien ein Einfamilienhaus errichten wollen, werden wir die meiste Zeit unseres Lebens hier ohne Kinder leben. Dies wird häufig als Argument dafür gesehen, auf die Bedürfnisse der Kinder keine oder wenig Rücksicht zu nehmen. Davor würde ich jedoch abraten, weil die Zeit mit den Kindern der Engpass im Lebenszyklus des Wohnens ist. In dieser Zeit entstehen die meisten Wohnkonflikte und wirken sich schlechte Grundrisse am gravierendsten aus.

Also beginnen wir mit der Phase der jungen und wachsenden Familie, in der meist auch die Eigenheimerrichtung passiert.

Familie mit kleinen Kindern

Familien mit kleinen Kindern brauchen einen Familienraum, in dem sich das aktive Familienleben, das Kochen und Essen, das Spielen, die Geselligkeit, das Zusammensein und auch die Hausarbeit abspielen können. Die Kinderaufsicht soll mit der Hausarbeit einfach zu verbinden sein. Gleichzeitig ist es wichtig, Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, damit zur selben Zeit die Kinder aktiv spielen können und doch ein Elternteil abschalten kann. Daher hat sich für Familien mit kleinen Kindern bewährt, den Gemeinschaftsbereich von Kochen – Essen – Wohnen in zwei Räume aufzuteilen, nämlich ein aktives Familienzentrum (Kochen, Essen, Beisammensein, Spielen usw.) und einen passiven Rückzugsbereich, also das Wohnzimmer. Dies steht entgegen dem Trend des offenen Bauens, trifft jedoch die Alltagsbedürfnisse junger Familien exakt.

Der Schlafplatz für kleine Kinder soll Geborgenheit und Sicherheit vermitteln. Auch hier gilt es Fehler zu vermeiden. Eine Schlafnische zu machen hat für Kinder eine hohe Qualität, denn Sicherheit entsteht durch Grenzen. Räumliche Grenzen sind die Grundvoraussetzung um Geborgenheit empfinden zu können. Daher meine Empfehlung: Durch eine Nische und eine niedere Decke kann eine optimale Schlafhöhle für Kinder entstehen. Materialien wie Holz oder Textilien bringen dann noch die nötige Weichheit mit, die das Geborgenheitsempfinden stärken.

Ein aktives Familienzentrum und geschützte Schlafplätze sind also zwei wesentliche Aspekte, damit junge Familien harmonisch zusammen leben können.

Familien mit Jugendlichen

Jugendliche haben im Vergleich zu kleinen Kindern beinahe konträre Bedürfnisse, sie brauchen Distanz und Selbstbestimmung. Wenn die Raumanordnung des Jugendzimmers diese Autonomie fördert, ist das Familienleben stark entlastet. Es sollte möglich sein, gewisse Freiheiten im Kommen und Gehen einzuräumen. Also ist eine Anordnung des Jugendzimmers in Eingangsnähe optimal. Um der natürlichen Entwicklung – von Nähe und Geborgenheit hin zu Autonomie und größerer Distanz – entsprechen zu können, empfehle ich bei der Grundrissgestaltung, dass alle Zimmer mehrfach genutzt werden können. Dies ist meist möglich, wenn alle Zimmer mindesten 14 m2 groß und auch von den anderen Parametern (z.B. Sonnenlicht) in etwa gleichwertig sind .

Nach dem Auszug der Kinder

Nachdem die Kinder ihre eigene Wohnung gefunden haben, gilt es für das Paar den eigenen Lebensraum neu zu gestalten. Wenn bereits bei der Planung bedacht wird, wie dieser Raum dann genutzt werden könnte, kann man sich viel Umbauarbeit ersparen. Die häufig leerstehenden ehemaligen Kinderzimmer, können zwar in der Übergangsphase des ‚Selbstständig Werdens‘ der Kinder noch als Rückhalt dienen, wenn die Kinder zwischenzeitlich wieder mal Zuhause wohnen. Irgendwann stellt sich jedoch die Frage der Nutzung und der Wohnungsgröße für das Elternpaar. Es ist nicht wirklich optimal, Räume pflegen zu müssen, für die es keine Verwendung gibt. Besonders im höheren Alter wird der Erhaltungsaufwand zum Problem, womit wir bei der nächsten Phase sind.

Wohnen im Alter

Im Alter ist ein möglicher Pflegebedarf zu berücksichtigen. Also braucht es eine Wohnmöglichkeit für eine ev. Pflegeperson. Hier könnte ein zu groß geratenes Haus wieder seinen Nutzen bieten.

Neben barrierefreier Raumgestaltung sind auch andere Dinge zu bedenken, wie etwa die Teilbarkeit der Wohnung, die Ebenerdigkeit einer dieser Wohneinheiten und die Nutzung der geteilten Wohnungen. Sollen mehrere Generationen zusammen leben, so ist unbedingt auf getrennte Eingänge und Privatheit beider Haushalte zu achten.

Lebensphasengerechte Planung

Will man für alle Lebensphasen familiengerecht planen und bauen, so ist es notwendig, diese verschiedenen Nutzungsvarianten zu durchdenken. Dies zeichnet nachhaltige und wertvolle Planung aus. Konkret bedeutet dies, keine wesentlichen Bedürfnisse wichtiger Lebensphasen zu übersehen und die notwendige Flexibilität der Nutzung zu gewährleisten. Diese beiden Punkte wollen wir hier nochmals zusammenfassen und konkretisieren.

Zentrale Wohnbedürfnisse in den Lebensphasen

Wie oben bereits beschrieben, verändern sich die zentralen Wohnbedürfnisse im Laufe eines Lebens gravierend und manchmal auch sehr schnell. So kann es sein, dass zwischen der Planungsphase und dem Einzug bereits wesentliche Veränderungen passiert sind. Daher finden Sie hier eine übersichtliche Zusammenstellung der gravierendsten Veränderungen von Bedürfnissen in der Entwicklung von Familien:

  • Säuglinge und kleine Kinder brauchen sehr viel Schutz und Geborgenheit. Reizüberflutungen wirken sich hier am gravierendsten aus.
  • Vorschulkinder brauchen viele Anregungen und Möglichkeiten für die Entfaltung. Gleichzeitig brauchen sie Sicherheit durch die Anwesenheit der Eltern.
  • Schulkinder brauchen neben der Möglichkeit mit anderen Kindern spielen zu können, auch einen Platz für das Hausübung machen. Dies wollen fast alle Kinder im Grundschulalter in der Nähe der Eltern, also am Familientisch und erst später (ca. mit 10 Jahren) im eigenen Zimmer.
  • Auch das Bedürfnis nach dem eigenen Zimmer entsteht meist erst im Schulalter zwischen 8 und 10 Jahren. Vorher ist es durchaus eine vernünftige Variante, zwei oder mehrere Kinder in einem Raum schlafen zu lassen.
  • Als Jugendliche entwickelt sich der Wunsch nach Entfaltung, hin zu einem Wunsch nach Distanz zu den Eltern, der in den Prozess der Ablöse von den Eltern mündet. Hier ist die Nähe des Jugendzimmers zum Elternschlafzimmer problematisch.
  • Betrachtet man die Bedürfnisse der Eltern, so ist es wichtig, Kinderaufsicht und Hausarbeit gut verbinden zu können.
  • Gleichzeitig brauchen die meisten Elternteile Rückzugsmöglichkeiten um nicht dauernd verfügbar sein zu müssen.

Zu allen diesen Themen gibt es viel zu sagen, so dass uns für künftige Artikel nicht der Stoff ausgehen wird. Heute wollen wir einen knappen Überblick bieten und mit einigen Empfehlungen für die konkrete Planung schließen.

Planungsempfehlungen für Wohnqualität in allen Lebensphasen

  • Um die Bedürfnisse von Eltern und Kindern verbinden zu können, ist es vorteilhaft, den Gemeinschaftsbereich (Kochen – Essen – Wohnen) nicht offen zu gestalten, sondern mit zwei Räumen, nämlich dem Familienzentrum und dem ruhigen Wohnzimmer
  • Die Individualräume sollten gleichwertig sein, um eine Umnutzung vornehmen zu können
  • Die geplanten Kinderzimmer sollten auch ermöglichen, dass zwei Kinder in einem Raum schlafen
  • Um den Bedürfnissen der Eltern nach Auszug der Kinder gerecht zu werden, ist es sinnvoll, das Haus in zwei Wohnungen teilen zu können

Im Arbeitsblatt „Wohnraum – Lebensraum – Entwicklungsraum“ finden Sie einen Überblick zu den hier vorgestellten Themen.

 

 

Wann ist der Hausbau erfolgreich?

Wann ist der Hausbau erfolgreich?

Den Erfolg beim Hausbau können wir nur messen, wenn wir die Ziele klar definieren.

Wenn wir ein so großes Projekt, wie den Hausbau angehen, viel Geld investieren und die persönlichen Lebensträume verwirklichen wollen, dann möchten wir dies natürlich möglichst erfolgreich tun. Doch wann ist der Hausbau erfolgreich? Dies ist keine so banale Frage, wie es auf den ersten Blick erscheint. Wir können nur dann klar erkennen, was wir persönlich unter Erfolg beim Hausbau verstehen, wenn wir die Ziele definieren. Mit diesem Artikel wollen wir Sie ein Stück auf dem Weg zum erfolgreichen Hausbau begleiten, indem wir Ihnen einige Fragen stellen, und Sie damit die Möglichkeit haben, Ihre Ziele klarer zu formulieren. Je klarer Sie Ihre Ziele definieren, umso erfolgreicher wird Ihr Hausbau.

Zunächst wollen wir hier unterscheiden, welche Arten von Zielen beim Hausbau relevant sind. Dies ist wichtig, weil sich möglicherweise Einzelziele ausschließen, oder zumindest gegenseitig hemmen. Es ist wichtig, dies im Vorfeld zu erkennen, damit man nicht in die typischen Hausbaufallen tritt. Im Artikel „5 Strategien für den erfolgreichen Hausbau“ sind Wege beschrieben, diese Fallen zu vermeiden.

Finanzielle Ziele

In den seltensten Fällen wird das Hausbauen zu Erfolg führen, wenn wir unsere finanziellen Ziele nicht erreichen, bzw. wenn wir unseren Finanzrahmen nicht einhalten. Dieses Ziel zu definieren, ist eine Gratwanderung zwischen Wünschen und Möglichkeiten, wo sich für Sie ein individueller Weg erschließen sollte. Hier können wir uns von zwei Seiten annähern. Von der Seite der Wünsche und von Seiten der Möglichkeiten, also den finanziellen Mitteln.

Um Ihr finanzielles Ziel zu definieren, schlagen wir vor, den für Ihre Lebenssituation erforderlichen Minimalrahmen Ihres späteren Hauses festzulegen. Definieren Sie also eine Wohnfläche, die Sie für Ihre Familie und Ihre Lebenssituation unbedingt benötigen. Bei einer Familie mit 2 Kindern, also mit 2 Kinderzimmern, wären dies ca. 130 m². Hier lässt sich auch Stauraum und die Hauswirtschaft unterbringen, so dass Sie nicht unbedingt einen Keller benötigen. Diese Größe verlangt jedoch eine sorgfältige Planung, damit nicht die Wohnqualität darunter leidet. Wenn Sie dann dem Auto ein Carport zuordnen und keine Garage, dafür aber einen Abstellraum für Gartengeräte, dann haben Sie die Eckdaten für Ihr Minimalhaus und können sich dafür von einer seriösen Baufirma einen Preis schätzen lassen. Die Fläche ist der wichtigste Parameter, um die Baukosten zu steuern. Mit den Kosten für die Minimumvariante hat man dann auch ein Entscheidungskriterium, ob das Hausbauen finanzierbar ist, oder nicht. Wünsche, die über diese Minimalvariante hinausgehen, wären Gästezimmer, Büro, Schrankraum oder ähnliches.

Minimumvariante als benchmark

Bei allen Kosten, die über der Minimumvariante liegen, kann man sich dann jeweils die Frage stellen, ob die Erfüllung dieses Wunsches, die Kosten rechtfertigt. Würden etwa € 15.000.- für die Fläche eines Schrankraums zur Disposition stehen, kann man sich die Frage stellen, ob Ihnen dieser Wunsch die monatliche Rückzahlung von Betrag x wert ist. Somit schafft man für jeden Wunsch einen finanziellen Bezugsrahmen.

Betrachten wir das finanzielle Ziel nun von der Seite der Möglichkeiten, so ist es wichtig, mit der finanziellen Belastung nicht die Lebensqualität massiv zu beschneiden. Wenn über 20 Jahre, oder mehr, Ihr Familienleben durch finanzielle Engpässe eingeengt wird, und wenn beide Partner über einen längeren Zeitraum arbeiten müssen, dann stellt sich die Frage, ob Ihnen nicht doch irgendwann die Luft ausgeht.

Hausbau ist dann erfolgreich, wenn Sie einen Finanzrahmen festlegen, der Ihre Lebensqualität nicht massiv beschneidet, und wenn Sie diesen Finanzrahmen einhalten können.

Individuelle Ziele

Sprechen wir von individuellen Zielen des Hausbauens, so wird damit die Frage der Wohnbedürfnisse berührt. Haben Sie vor ein Haus zu bauen, so werden Sie dies mit bestimmten Vorstellungen (Zielen) verbinden. Vor einer Planung ist es daher wichtig, diese Ziele auch so zu beschreiben, dass sie umgesetzt werden können. Wichtig dabei ist es, keine wesentlichen Aspekte zu übersehen. Die Wohnpsychologie kann dazu eine wertvolle Hilfe anbieten, nämlich eine Gliederung der Wohnbedürfnisse. Damit haben Sie eine Checkliste, die Ihnen hilft auch die Wohnbedürfnisse zu reflektieren, an die Sie irgendwie doch nicht so gedacht haben. Folgende Fragen bilden eine Kurzfassung dieser Checkliste:

  • Welche Form von Wahrnehmungsstress soll unbedingt vermieden werden? (schlechte Akustik, schlechtes Licht, Überhitzung, Unordnung usw.)
  • Womit wollen Sie sich gerne umgeben, welche Materialien tun Ihnen gut?
  • Welche Form an Rückzugsmöglichkeiten brauchen Sie?
  • Welchen Blickschutz brauchen Sie an wichtigen Aufenthaltsplätzen?
  • Wo wollen Sie Ausblick ins Freie genießen?
  • Welche Funktionen soll der Esstisch haben? (Essen, Kommunikation, Hausarbeit verrichten, Schularbeiten machen, Spielen usw.)

Es lohnt sich, die eigenen Bedürfnisse hinsichtlich des Wohnens zu überdenken, damit man nicht nach dem Einziehen erkennen muss, dass wichtige Aspekte übersehen wurden.

Hausbau ist dann erfolgreich, wenn Sie dabei Ihre individuellen Bedürfnisse umsetzen und keine wesentlichen Aspekte übersehen.

Partnerschaftliche Ziele

Nachdem in einem Haus mehrere Menschen zusammen leben, werden mit größter Wahrscheinlichkeit auch unterschiedliche Bedürfnisse bestehen. Auch Partner, die vordergründig dieselben Vorstellungen vom guten Leben haben, entdecken im Laufe der Jahre die Unterschiede. Aus diesem Grund ist es sehr zu empfehlen, vor der Planung eine wirklich gründliche Bedürfnisanalyse zu betreiben. Dies bedeutet, dass beide Partner zunächst die eigenen Wohnbedürfnisse und Wohnwünsche festhalten. Dabei soll sich jede/r nur auf sich konzentrieren und darauf achten, nicht zu schnell als Familie zu denken, also auch auf die anderen zu achten. Besonders Frauen stellen häufig die eigenen Bedürfnisse zurück, um für die Kinder und die Familie ein schönes Nest zu bauen. Doch gerade dies führt in Zeiten der Belastung dazu, dass es zu Überforderung bis hin zu Burn Out kommt. Wenn die Rückzugs- und Erholungsmöglichkeiten nicht vorhanden sind, wirkt sich dies auf die Lebensqualität aus. Dieser individuellen Bedürfnisanalyse folgt ein partnerschaftlicher Dialog. Dies soll gewährleisten, dass aus zwei Wohnträumen ein gemeinsamer wird. Im Seminar „Begegnungsräume“ widmen wir uns den persönlichen und den partnerschaftlichen Bedürfnissen des Wohnens. Auch in unserem Blog finden Sie einen Artikel zum Thema Wohnkonflikte und Wohnglück.

Hausbau ist dann erfolgreich, wenn die Bedürfnisse aller späteren Bewohner/innen gleichermaßen berücksichtigt werden, und wenn daraus ein partnerschaftliches Konzept entsteht.

Familiäre Ziele

Den Kindern gute Entwicklungsbedingungen zu geben, vor allem ein Aufwachsen im Grünen, ist für viele Familien eine Hauptmotivation für den Hausbau. Doch es geht auch darum, familiengerechte Grundrisse zu entwickeln. Dies ist vor allem daher wichtig, weil gewisse Trends dem entgegenstehen. So ist etwa die Raumaufteilung im Gemeinschaftsbereich entscheidend dafür, wie das Familienleben funktioniert. Um nicht laufend in Nutzungskonflikte verstrickt zu werden, ist es für Familien entscheidend, den Gemeinschaftsbereich in einen aktiven und einen passiven Raum zu gliedern. Ein Raum soll dem Alltagsleben (Kochen, Essen, Spielen der Kinder, Zusammensein usw.) dienen, ein anderer Raum dem Rückzug und der Erholung. Im Buch „Das Familienhaus“ ist beschrieben, wie man familiengerechte Grundrisse entwickelt.

Hausbau ist dann erfolgreich, wenn die Familie gute Voraussetzungen hat harmonisch zusammen zu leben.

Entwicklungsziele

Abschließend wollen wir noch das Denken in Lebenszyklen als Erfolgskriterien für den Hausbau beschreiben. Unsere Bedürfnisse verändern sich im Laufe unseres Lebens gravierend. Es ist nicht nur die Barrierefreiheit, die es zu berücksichtigen gilt, sondern auch andere Fragen sind zu lösen, wie etwa:

  • Wie verwenden wir den Raum, der nach Auszug der Kinder frei wird?
  • Wie können wir den Erhaltungsaufwand minimieren?

Möglicherweise ist die Teilung des Hauses in zwei Wohnungen eine vernünftige Lösung. Dies gilt es jedoch bei der Planung zu berücksichtigen, sonst wird es ein teures und aufwändiges Projekt.

Grundsätzlich sollte man sich vor dem Hausbau genau überlegen, ob man im neuen Haus auch alt werden will, oder ob ein Umzug in ein Altersdomizil in Frage kommt. Dementsprechend sollte dann auch die Planung des Hauses erfolgen.

Hausbau ist dann erfolgreich, wenn alle Lebensphasen berücksichtig wurden, sich das Haus also verändernden Bedürfnissen anpassen kann.

Sie werden wahrscheinlich einen Punkt vermissen, nämlich die technische Qualität des Hauses und das Vermeiden von Baumängeln. Dies sind natürlich wichtige Aspekte, aber nicht der Grund, wieso wir ein Haus bauen. Beim Hausbau wird häufig das Mittel zum Zweck erklärt. Nicht um das Haus an sich geht es, sondern um die Lebensqualität, die es ermöglicht. Dies erfordert jedoch klare Entscheidungen und eine richtige Planung.

 

 

Bauen und Psychologie – eine Synthese im Sinne des Wohnens

Bauen und Psychologie – eine Synthese im Sinne des Wohnens

Bauen und Psychologie als Synthese zu betrachten kann viele Probleme lösen.

Um die Ziele des Bauens zu erreichen, sollen, ja müssen das Bauen und die Psychologie zusammen wirken. Wir Menschen sind in der Lage Gebäude zu errichten, die den Zweck haben unsere Bedürfnisse abzudecken. Tiere können dies nur sehr eingeschränkt. Sie bauen auch Höhlen und Nester um sich zu schützen, sind dabei jedoch engen biologischen Grenzen ausgesetzt.

Bei uns Menschen ist das Bauen eine Kulturleistung, mit der wir unsere Lebenswelten bestimmen. Wir können Ziele definieren und dann die entsprechenden Gebäude dazu entwerfen. Der Architekt Le Corbusier hat den „Menschen als das Maß aller Dinge“ bezeichnet, und sich dabei auf wirkliche Maßeinheiten bezogen, also Längen und Breiten. Aus psychologischer Seite können wir feststellen, dass die Architektur damit ringt, den Menschen als die Basis des Bauens zu beschreiben. Der Architektur als Fachrichtung und dem Bauen grundsätzlich fehlt das Wissen, um eine Architekturtheorie  zu entwickeln, die den Menschen in das Zentrum rückt. Leider hat der Diskurs der wissenschaftlichen Disziplinen Architektur und Psychologie zu wenig stattgefunden. Dies hat zur Folgen, dass Wesentliches fehlt, nämlich die Orientierung an den grundsätzlichen Zielen des Bauen, die menschlichen Bedürfnisse.

Das Fachgebiet der Wohn- und Architekturpsychologie kann diese Lücke schließen, weil sie der Architektur dieses Wissen zur Verfügung stellen kann. Aber wir wollen uns hier nicht in einer Architekturkritik verlieren, sondern beschreiben, wieso das Bauen die Psychologie unbedingt braucht und was passiert, wenn ohne Psychologie gebaut wird. Dazu wenden wir uns dem Kern dieses Blogs zu, nämlich der Wohnqualität und dem Hausbauen.

Menschliche Bedürfnisse als Grundlage des Bauens

Die Psychologie hat eine detaillierte Darstellung von menschlichen Bedürfnissen zu bieten. Wieso brauchen wir das für die Bautätigkeit? Wenn wir ein Gebäude errichten, so streben wir immer Ziele an. Leider sind diese Ziele meist nicht klar ausformuliert. Betrachten wir die Errichtung eines Einfamilienhauses, so findet vor der Planung häufig folgendes statt:

  • Nachdem es um ein Wohngebäude geht, ist das Ziel dieser Bautätigkeit ein gutes Wohnen
  • Sowohl Baufamilien als auch Planer gehen davon aus, mit dieser Einstufung eine ausreichende Definition der Planungsziele zu besitzen
  • So werden in der Vorbesprechung nur mehr einige Details geklärt, nicht aber wesentliche Parameter des Wohnens angesprochen

Betrachtet man das Bauen von Wohngebäuden als die Errichtung von menschlichen Lebensräumen, so ist es unumgänglich danach zu fragen, was die Qualität dieser menschlichen Lebensräume ausmacht. Damit sind wir bei einem psychologischen Thema gelandet – nämlich den menschlichen Bedürfnissen, die beim Wohnen berührt werden.

Grundlegende Bedürfnisse des Wohnens sind:

  • Schutz vor Reizüberflutung in jeder Form
  • Geborgenheit und das Empfinden von Sicherheit
  • Erholung im Sinne eines Ausgleiches bei Belastungen
  • Ein harmonisches Zusammensein mit den Familienmitgliedern
  • Selbstbestimmung im Umgang mit Privatheit, sowie der Regulation von Nähe und Distanz
  • Einfache Haushaltsführung
  • Usw.

Die meisten Planer/innen würden dieser Aufzählung zustimmen, auch wenn sie es nicht so formulieren würden. Trotzdem werden bei all diesen Bedürfnissen des Wohnens häufig Fehler gemacht. Woran liegt dies? In der Architektur gibt es keine hinreichend detaillierte Beschreibung dieser Bedürfnisse und auch nicht davon, wie diese Bedürfnisse durch bauliche Maßnahmen abgedeckt werden können. Dies ist jedoch die Kernkompetenz der Wohn- und Architekturpsychologie. Also ist ein Know-H,ow-Transfer angebracht und notwendig.

Wohnbedürfnisse und Bedarfsplanung

Soll die Wohnqualität von Neu- und Umbauten verbessert werden, so hat die Planungsbranche die Verpflichtung, sich dieses Wissen zu holen, also aktiv an der Einbindung des wohnpsychologischen Wissens zu arbeiten. Dies passiert jedoch nur in Einzelfällen. Stattdessen hat das Bauwesen eine Norm eingeführt, mittels derer jegliche Definition von Planungszielen an den  Bauherrn verwiesen wird. Die DIN Norm 18205 – „Bedarfsplanung im Bauwesen“ – gibt zwar einerseits die Notwendigkeit einer Definition des Planungszieles vor, delegiert dies jedoch gleichzeitig an den Bauherrn. Damit wird erreicht, dass Planungsfehler im Sinne von Wohnqualität, also im Sinne des Planungszieles, nicht einklagbar sind. In dieser Norm heißt es: „Wenn es beim Bauen Probleme gibt, liegt das oft an einer ungenügenden Bedarfsplanung. Das heißt, die Bauaufgabe ist ungenügend definiert, die Bedürfnisse von Bauherren und Nutzern werden nicht ausreichend ermittelt und vermittelt.“ Gleichzeitig wird festgehalten, dass diese Bedarfsplanung Aufgabe der Bauherren ist. Der Bauherr weiß jedoch weder von dieser Norm, noch von Bedarfsplanung, noch wird er in der Regel vom Planer/in darüber informiert. Außerdem wird in dieser Norm vom Bauherrn gesprochen, wodurch negiert wird, dass die späteren Nutzer mehrere Personen, vor allem auch Frauen und Kinder, beteiligt sind. Daher werde ich den Begriff Bauherrn hier durch Baufamilien ersetzen.

Planende sollten diese Bedarfsplanung zumindest einfordern, wenn sie diese schon nicht aktiv gestalten. Damit schaffen wir jedoch das Problem des mangelnden Wissens zu den Wohnbedürfnissen nicht aus der Welt.

Beim Hausbau stellt sich dies dann so dar, dass sich Planende und Kunden die Verantwortung für wohnpsychologische Qualität gegenseitig zuschieben. Die Planenden befinden, dass die Baufamilie erst nach einer abgeschlossenen Bedürfnis- und Bedarfsanalyse zu ihm/ihr kommt. Der Kunde befindet, dass der Planende wohnpsychologisches Wissen mitbringt, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht, weil Planende dazu nicht die Ausbildung besitzen. Es entsteht also ein Vakuum hinsichtlich der wohnpsychologischen Qualität bzw. hinsichtlich Wohnqualität. Als Rechtfertigung wird häufig behauptet, Wohnqualität ist etwas rein Subjektives. Dies stimmt jedoch nicht, weil Wohnqualität klar definierten Kriterien folgt.

Um hier Abhilfe zu schaffen, bietet die Wohnpsychologie eine fundierte Bedürfnisanalyse an, die oben beschriebene Bedürfnisse umsetzbar macht.

Diese Bedürfnisse in eine technische Sprache übersetzen

Die Umsetzung von Wohnbedürfnissen erfordert  jedoch zwischen Bedürfnisanalyse und der Planung einen Schritt, der im Planungsprozess ebenso, oder sogar noch stärker negiert wird, als die Bedürfnisanalyse, nämlich die Übersetzung von Wohnbedürfnissen in eine Planungssprache. Was bedeutet dies?

Formulieren Sie ein Bedürfnis, wie z.B. das Bedürfnis nach Geborgenheit, so reicht dies nicht aus, sondern es muss sehr genau und detailliert festgehalten werden, was Sie darunter verstehen, wie Geborgenheit für Sie entsteht. Wird dieser Schritt ausgelassen, so bedeutet dies, dass der Planende Geborgenheit nach seinem Verständnis herzustellen versucht. Damit beginnt häufig eine fast endlose Schleife von Versuch und Irrtum, oder anders ausgedrückt, die Planung wird mühsam, weil zwischen Planer/in und Baufamilie scheinbar die Chemie nicht zu stimmen scheint. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Kommunikationsproblem, weil nicht kommuniziert wird, wie bestimmte Bedürfnisse in die Planung einfließen sollen. Beim Planen treten jedoch auch andere Kommunikationsprobleme auf, die das Planungsergebnis in Frage stellen, bzw. den Planungsprozess erheblich erschweren.

Kommunikationsprobleme beim Planen

Kommunikation bei Planungsaufgaben ist ein vielschichtiges Thema, das ich hier für die Situation des Hausbauens näher beschreiben möchte. In diesem Blog können wir das Thema  lediglich anreißen, und die Punkte aufzeigen, die zu Kommunikationsproblemen führen können. Dazu unterscheiden wir zwischen innerer Kommunikation aller Beteiligten und der direkten (äußeren) Kommunikation zwischen den Beteiligten.

Innere Kommunikation oder auch innere Klarheit der Planungsfamilie bedeutet Antworten auf diese Fragen zu haben:

  • Bin ich mir klar darüber, was ich will und brauche?
  • Bin ich mir klar darüber, wie ich dies dem Planer vermitteln will?

Kommunikation zwischen den Beteiligten der Baufamilie bedeutet:

  • Kennen wir gegenseitig die Bedürfnisse voneinander?
  • Haben wir ausreichend darüber diskutiert, wie ev. divergierende Bedürfnisse in der Planung umgesetzt werden sollen?

Innere Kommunikation des Planers bedeutet:

  • Bin ich mir klar darüber, dass meine Vorstellung der Umsetzung dieser Planungsaufgabe nicht unbedingt mit dem Übereinstimmen muss, was die Baufamilie will und braucht

Kommunikation zwischen Baufamilie und Planer bedeutet zu wissen:

  • Wie gelingt es alle relevanten Wohnbedürfnisse in das Gespräch einzubinden?
  • Wie wird mit unterschiedlichen Vorstellungen in der Baufamilie umgegangen?
  • Wie wird mit unterschiedlichen Vorstellungen zwischen Baufamilie und Planer umgegangen?

Lösungswege

Mit diesen Kommunikationsaufgaben haben wir einen Themenbereich geöffnet, der uns in diesem Blog immer wieder begleiten wird. Der grundsätzliche Lösungsweg für eine gelungene Kommunikation in der Planungsaufgabe des Hausbauens liegt im Dreischritt von Bedürfnisanalyse, Planungskonzept und Entwurfsplanung. Dies sind drei zeitlich klar voneinander abgegrenzte Phasen und haben folgende Aufgaben:

Die Bedürfnisanalyse ist eine Phase, in der man noch nicht lösungsorientiert denken sollte, weil dies die Formulierung von Wohnbedürfnissen hemmen würde. Hier geht es darum, mit verschiedenen Methoden, Übungen, Arbeitsblättern, Checklisten usw. möglichst alle wichtigen Wohnbedürfnisse aller späteren Nutzer zu beschreiben. Die Bedürfnisse ev. späterer Benutzer wie Kinder, oder späterer Lebensphasen, einzubringen, sind dabei die Aufgaben eines gut geschulten Experten zum Thema, sei es eine Planer/in, oder eine externe Berater/in aus dem Gebiet der Wohnpsychologe.

Die Erstellung eines Planungskonzeptes ist deshalb notwendig, weil Bedürfnisse in einer persönlichen Sprache formuliert werden, und damit meist die Umsetzung nicht thematisiert wird. Im Planungskonzept erfolgt die Übersetzung der Bedürfnisse in eine technische Planungssprache, hier wird also beschrieben, wie die Umsetzung aussehen soll.

Dieses Planungskonzept bietet die Grundlage für die Entwurfsarbeit. Gleichzeitig ist es ein Korrektiv, und ein Maßstab für die Exaktheit der planerischen Umsetzung. Da im Entwurf der kreative Umsetzungsprozess beginnt, können natürlich weitere wichtige Aspekte auftauchen, die dann in einem laufenden Dialog eingearbeitet werden.

Dieser Lösungsweg ist ohne Wohnpsychologie kaum denkbar und erfordert darüber hinaus spezielle kommunikative Fähigkeiten, die in der Baubranche doch häufig fehlen. Wohnpsychologie ist kein exotisches Anhängsel des Bauens, sondern sollte integraler Bestandteil jedes Planungsprozesses sein, mit dem Ziel die Qualität des Gebauten zu erhöhen.

In weiteren Blogartikeln werde ich auf die Detailfragen eingehen, die sich dabei ergeben.